Jahrestempel der zurückliegenden Ausgaben

Zeitungsartikel über die Jahresstempel
Badische Neuste Nachrichten
15. Januar 2015
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Der Wanderfalke (Falco peregrinus) unser Vogel des Jahres 2016 auf Traill Island in Nordost-Grönland

Der Wanderfalke ist in Deutschland mit etwa 1.200 Brutpaaren eine eher seltene Art. Weltweit gehört er dagegen zu den am weitesten verbreiteten Vögeln überhaupt. Man findet ihn mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten- von der Arktis bis in die Tropen, von Australien bis nach Mittelamerika. In Grönland werden die eisfreien Küstenstreifen im  Westen und Südosten besiedelt. Das weltweit nördlichste, bislang bekannte Brutvorkommen liegt in der Gegend von Thule in Nordwest-Grönland. Im Hohen Norden sind Wanderfalken Langstreckenzieher. Ab September fliehen sie vor den rauhen Witterungsbedingungen des arktischen Winters bis an die Ostküste von Nord-, Mittel- und Südamerika. Im Mai kehren sie nach Grönland zurück, um mit dem Brutgeschäft zu beginnen.

Die Spornammer (Calcarius lapponicus) unser Vogel des Jahres 2015 auf Traill Island in Nordost-Grönland

Die Spornammer ist eine Singvogelart, die überwiegend in den offenen Landschaften jenseits der borealen Baumgrenze beheimatet ist. In Grönland kommt sie vor allem im Südwesten vor. An der Ostküste reicht ihr Brutgebiet bis zum Scoresbysund, wobei gelegentlich auch Beobachtungen von durchziehenden Vögeln weiter im Norden gemeldet wurden.

Während der Brutzeit zeichnet sich das Männchen durch ein kontrastreiches Gefieder aus, bei dem vor allem der rostbraune Nacken hervorsticht.

Die Spornammer bevorzugt zur Brutzeit Habitate mit niedriger Vegetation (Zwergsträucher), wo sie sich vor allem von Insekten und deren Larven ernährt.

Vor wenigen Jahren wurde im Karupelv Valley der erste Brutnachweis für den Nationalpark erbracht. Diese Beobachtung könnte mit dem Klimawandel zusammenhängen, durch den gewisse Arten ihre Brutvorkommen allmählich nach Norden verschieben. Zur Etablierung einer richtigen Population im Nordosten Grönlands dürfte es aber noch einige Zeit dauern.

Das Foto  zeigt ein Männchen mit Beute im Schnabel und wurde 2008 von Roland Jamault auf der Insel Traill aufgenommen.

Die Eiderente (Somateria mollissima) unser Vogel des Jahres 2014 auf Traill Island in Nordost-Grönland

Die Eiderente ist von den arktischen Küsten nicht wegzudenken. In der Bucht vor unserem Lager zählt sie zu den regelmäßigen Gästen. Sie kommt aber auch in der Nord- und Ostsee vor. Im Wattenmeer kann man im Sommer große Schwärme nichtbrütender Eiderenten beobachten und ein Teil der Brutvögel aus arktischen Gefilden überwintert an den deutschen Küsten. Der größte Teil der Eiderenten aus Nordost Grönland mausert und überwintert jedoch vor den Küsten Islands.

Wie bei den meisten Entenarten unterscheidet sich auch bei der Eiferente das kontrastreiche Brutgefieder der Erpel mit ihrem schwarzen Bauch, weißen Rücken und moosgrünem Nacken vom unauffälligen braunen Gefieder der Weibchen. Diese sind auf ihrem Nest kaum zu entdecken.

Ihre Nahrung suchen Eiderenten bevorzugt im Wasser. In der Bucht sieht man sie oft auf Tauchgang zwischen den Spalten im Packeis, wo sie nach Muscheln und sonstigen Kleinlebewesen Ausschau halten.

Der Laie verbindet die Eiderente vor allem mit ihren Daunen, welche den Nestern optimalen Wärmeschutz gewähren.

Sogar der wissenschaftliche Name deutet darauf hin: Er bedeutet übersetzt "die Allerweichste mit dem schwarzen Körper".

Auch wenn wir gelegentlich in der Tundra auf einzelne dieser gut getarnten Nester treffen, so zieht diese Entenart in Nordost Grönland doch Inseln als Brutstandort vor, welche sie oft mit Seeschwalben und Eisenten teilen. Mit der Brut beginnen sie erst wenn sich das Packeis im Fjord zurückgezogen hat und die Nester nicht mehr vom Polarfuchs aufgesucht werden können.

Einen besonderen Brutplatz hat sich eine der bekanntesten Eiderentenkolonien in Nordost Grönland ausgesucht. Seit 1955 brüten Eiderenten zwischen den Schlittenhunden der Siriuspatrouille bei Daneborg. Dieser Brutplatz ist durch die Anwesenheit der Hunde so gut gegen Fressfeinde geschützt, dass hier inzwischen über 1.000 Enten ihre Nester anlegen.



Das Schneehuhn (Lagopus muta) unser Vogel des Jahres 2013 auf Traill Island in Nordost-Grönland

Mit dem Schneehuhn wurde in diesem Jahr einer der typischsten Vertreter der arktischen Vogelwelt zum „Vogel des Jahres“ auf der Insel Traill auserkoren. Während die meisten Vogelarten nur Sommergäste sind und Grönland gegen Ende des Sommers wieder verlassen, kann das Schneehuhn dank seiner Anpassungen an ein Leben im Schnee auch den widrigen Bedingungen des Polarwinters trotzen. Das dichte Federkleid an den Füßen erfüllt dabei gleich zwei Funktionen: Es isoliert vor der Kälte und trägt dazu bei, dass die Vögel beim Laufen nicht so tief im lockeren Pulverschnee einsinken. Zudem verfügt das Schneehuhn für jede Jahreszeit über ein entsprechend gefärbtes Kleid, das es vor den Blicken seiner Raubfeinde (und auch der Forscher) verbirgt.

Schneehuhn

Im Winter sind die Vögel bis auf wenige schwarze Stellen rein weiß. Im Sommer tragen sie bis auf wenige weiße Federn ein tarnfarbenes Kleid. Die Hähne sind immer an den roten „Rosen“ über den Augen erkennbar. In unserem Untersuchungsgebiet bewohnen Schneehühner bevorzugt die trockene Tundra mit Schotterfluren oder felsige Höhenrücken mit recht spärlicher Vegetation. Nur selten bekommt man eines zu Gesicht, so dass genauere Daten zur Populationsdichte nur schwer zu erheben sind. Meistens sind es Kothaufen und Rupfungen aus dem Winter, die uns verraten, wo sich die Vögel in der Polarnacht aufgehalten haben. Trotz dieser Schwierigkeiten wurden im Rahmen des Karupelv Valley Project in den 1990er Jahren erfolgreich Untersuchungen an Schneehühnern durchgeführt und neue Erkenntnisse zu deren Ökologie und Verhalten gewonnen.

Stempel Schneehuhn

PS: Wie den Ornithologen unter den Polarpostsammlern sicher schon aufgefallen ist, zeigt der GREA Stempel auf allen Umschlägen der vergangenen Jahre ein Schneehuhn im Flug.

 

 


 

Die Schmarotzerraubmöwe (Stercorarius parasiticus) unser Vogel des Jahres 2012 auf Traill Island in Nordost-Grönland

Jahresstempel 2012

Auf dem diesjährigen Jahresstempel der Expedition wurde mit der Schmarotzerraubmöwe eine Art ausgewählt, die rund um den Nordpol verbreitet ist.

 

Auch in unserem Untersuchungsgebiet zählt dieser elegante Freibeuter zu den regelmäßigen Brutvögeln. Jahr für Jahr wird dasselbe Revier in Küstennähe von den gleichen Vögeln aufgesucht. Den Winter verbringen die Tiere auf dem Meer und ziehen dafür in die Karibik und vor die Küste Südafrikas. Zur Zugzeit kann man Schmarotzerraubmöwen auch immer wieder an den Küsten Mitteleuropas beobachten.

Ihren Namen trägt die Schmarotzerraubmöwe wegen ihrer Angewohnheit, anderen Vögeln wie Möwen und Seeschwalben die Beute abzujagen. In Nordost Grönland hat sie mit dieser Strategie aber wenig Erfolg. Hier besteht ihre Nahrung vor allem aus Lemmingen, jungen Strandläufern und sonstigen Vögeln, Insekten, Beeren oder Aas. Die Nester liegen in einer Vertiefung auf der trockenen Tundra und werden von beiden Elterntieren mit großem Einsatz geschützt. Dabei starten sie wie andere Raubmöwen auch Angriffe auf die Köpfe von Menschen, die zu dicht ans Nest kommen. Diese Angriffe sind nicht gefährlich, aber doch eine recht beeindruckende Erfahrung.

Die Schmarotzerraubmöwe gilt als eine der Arten, die vom Klimawandel besonders betroffen sein wird. Forscher gehen davon aus, dass ihr Verbreitungsgebiet bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erheblich schrumpfen und sich nach Norden verschieben wird. Ihre südlichen Brutgebiete in Schottland, Skandinavien und im Baltikum werden der Art dann keine geeigneten Lebensräume mehr bieten können.

 

Die Prachteiderente, unser Vogel des Jahres 2011 in NO Grönland

Prachteiderente Martial Bos

Auf dem diesjährigen Jahresstempel für die Polarpost ist mit der Prachteiderente eine typische Art der Hocharktis zu sehen. Im Karupelv Tal ist sie vor allem im Juni regelmäßig zu beobachten, wenn sich einzelne Paare in den wenigen offenen Wasserflächen im Mündungsbereich von Schmelzbächen aufhalten. Auffallend ist das unverwechselbare Prachtkleid der Männchen mit dem großen orangeroten, seitlich zusammengedrückten Stirnhöcker.

 

Bei den Weibchen sorgt das tarnfarbeneGefieder dafür, dass sie beim Brüten in der Tundra von Raubfeinden meist nicht entdeckt werden.

Dank unserer Langzeitbeobachtungen konnten wir feststellen, dass Prachteiderenten in der Regel nur in guten Lemmingjahren mit Erfolg brüten. Dies lässt sich dadurch erklären, dass sich ihr Hauptfeind, der Polarfuchs dann vor allem Lemmingen nachstellt. Zudem brüten sie gerne in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schnee-Eulen und Raubmöwen, die ihnen indirekten Schutz vor herannahenden Füchsen bieten (siehe Sittler et al. 2000).

 

Sittler, B.; Gilg, O. & T. Berg (2000) Low abundance of King Eider Nests during Low Lemming Years in Northeast Greenland. Arctic 53(1): 53-60.

 

 

 

Jahresstempel der zurückliegenden Ausgaben ab 1988 bis 2007

Karupelv Valley Project

post@karupelv-valley-project.de